Filtertutorial I

Da mich sehr oft Fragen über Filter erreichen, habe ich mir überlegt ein wenig detaillierter auf das Thema einzugehen. Ich hoffe ihr werdet nicht von dem langen Artikel abgeschreckt.

Zuerst einmal könnte man sich die Frage stellen:
Warum sollte man überhaupt Filter beim Fotografieren verwenden?

Die Frage ist berechtigt, vor allem im Zeitalter der digitalen Fotografie, wo man doch soviel mit der Bildbearbeitung im späteren Verlauf machen kann.
Mit Filtern können wir unser Ausgangsmaterial, welches wir mit nach Hause nehmen optimieren und verbessern. Die meisten Möglichkeiten hat man immer noch mit einem perfekt belichteten Bild.
Am meisten dabei macht uns oft der hohe vorherrschende Dynamikumfang Probleme, welcher von unserer Kamera nicht eingefangen werden kann. Dabei ist es aber kein Muss mit Filtern zu arbeiten. Genauso gut kann man z.B. auch HDR’s anfertigen. Es muss jeder für sich selbst entscheiden, welche Arbeitsweise für ihn passend ist. Mir persönlich gefällt es besser, schon sehr gutes Ausgangsmaterial zu haben und somit die Bildbearbeitung eher auf grundlegende Sachen zu beschränken. Des Weiteren ist es für mich einfach spannender mit Filtern zu arbeiten, man taucht noch weiter in die Fotografie ein und muss sich mehr mit Belichtung und Motivkontrast auseinandersetzen. Bei HDR’s muss man meiner Meinung nach einfach eine Belichtungsreihe anfertigen und sich kaum Gedanken über ein korrekt belichtetes Bild machen, für mich eher langweilig. Dies ist aber nur meine persönliche Meinung und dies sollte jeder für sich selbst entscheiden.
Ein weiterer Vorteil von Filtern ist, dass man noch deutlich mehr kreative Sachen damit anstellen kann. Im Folgenden möchte ich auf die Grundlagen eingehen und genauso Vergleiche aufzeigen.

Schraubfilter

Diese Filter werden an der Front des Objektivs angeschraubt. Der Vorteil der Filter ist, dass diese recht klein und somit leicht zu transportieren sind. Meistens bekommt man sogar eine feste Hülle im Lieferumfang dazu. Nachteil ist, wie man sich eventuell schon denken kann, dass die Filter ja an die Objektive passen müssen. Besitzt man also mehrere Objektive mit unterschiedlichen Größen, so müsste man entweder für jedes Objektiv einen Filter kaufen, was aber wohl niemand bezahlen möchte, oder man hilft sich mit Adapterringen aus. Am Besten ist es einen für das größte Objektiv zu kaufen. Problem ist nur, man weiß ja oft nicht welche neuen Objektive es noch in die eigene Sammlung schaffen werden. Ein weiterer Nachteil ist vor allem im Weitwinkelbereich die Verwendung von mehreren Filtern, welche man aufeinander schrauben müsste. Dadurch kann es sehr schnell zu Vignettierungen kommen.

Einschubfilter Systeme
Bei den Einschubfilter Systemen arbeitet man mit rechteckigen Filtern, welche hintereinander in einen Filterhalter gesteckt werden können. Es ist aber auch möglich mit den Filtern händisch vor den Objektiven zu arbeiten. Die Vorteile dieser Systeme sind die einfache Verwendung an all möglichen Objektiven, durch die Verwendung von Adapterringen. Des Weiteren kann man sehr einfach mehrere Filter gleichzeitig verwenden und diese auch frei platzieren wie man es für das Foto benötigt. Im Vergleich zu den Einschraubfiltern besteht eine weitaus höhere Freiheit in der Verwendung. Einziges Problem ist die oft höhere Anfälligkeit für Kratzer, weshalb ein sorgsamer Umgang notwendig ist.

Im letzten Artikel habe ich bereits den Polfilter beschrieben, für einen besseren Überblick möchte ich dies hier nun noch einmal tun.

Polfilter
Der Polfilter sollte eigentlich in jedes Equipment gehören, vor allem für Landschaftsfotografen. Deshalb ist es auch ziemlich schwach von mir, dass ich mir erst nach über einem halben Jahr einen neuen gekauft habe. Sicherlich kann man auch darauf verzichten, jedoch kann man mit einem Polfilter das Ausgangsmaterial optimieren.

Fangt ihr neu mit der Verwendung von Filtern an, dann kauft euch als erstes einen zirkularen Polfilter. Dieser ist zwei-geteilt und somit drehbar, was den Clou am Polarizer ausmacht. Der Polfilter absorbiert Licht bestimmter Polarisationen. Effekte die ihr damit erzielen könnt sind das Vermindern oder Verstärken von Reflexionen, das Erhöhen der Sättigung oder auch blendendes Licht zu minimieren. Mit welchem anderen Filter kann man so viele tolle Sachen machen? Bringt Leben in eure Bilder Leute!
Viele kennen den Effekt wohl vom super dunkelblauen Himmel, doch man kann auch mit Wasser ganz tolle Effekte erreichen. So kann man durch das Verwenden eines Polfilters selbst beeinflussen wie stark die Wasseroberfläche reflektieren soll. Außerdem kann man vorhandene Reflexionen auf dem Wasser entweder verstärken oder aber auch den Effekt so optimieren, dass man einen Ausgleich zwischen Reflexion und der durchsichtigen Wasseroberfläche erhält.

Graufilter – NeutralDensity (ND)
Ein Graufilter hat die Aufgabe das Bild abzudunkeln. Es gibt verschiedene Stärken und Ausführungen. Wozu kann man also einen Graufilter verwenden und warum sollte man das Bild abdunkeln?
Es gibt sehr viele verschiedene Situationen, in denen ein Graufilter sehr nützlich sein kann. Wenn man an einem sonnigen Tag eine Aufnahme mit Offenblende macht, so kann schon mal die Belichtungszeit der Kamera ans Maximum geraten. Um ein korrekt belichtetes Bild zu erhalten, kann man also einen Graufilter verwenden und somit das Bild abdunkeln. Ein weiterer Effekt, welchen wohl viele kennen sind Langzeitbelichtungen mit Wasser. Möchte man fließendes Wasser dynamisch darstellen und nicht einfrieren, so benötigt man eine längere Belichtungszeit. Am Tag kommt man da auch über das Erhöhen der Blende schnell an die Grenze des Machbaren.
Die Verwendung eines Graufilters kann individuell für kreative Sachen eingesetzt werden. Da in jeder Situation unterschiedliches Licht vorherrscht, gibt es die Filter in verschiedenen Stärken und das Bild kann optimal belichtet werden.

Eine Besondere Ausführung der Graufilter sind die Verlaufsfilter (graduated filters – grads). Diese gibt es zusätzlich in unterschiedlichen Ausführungen. Die drei gängigsten möchte ich im Folgenden nochmal kurz vorstellen.

Hard Edge:
Der Hard Edge Filter ist genau geteilt, es gibt einen harten Übergang vom Graufilter zum Neutralen. Das heißt bei diesen Filtern bekommt man vor allem starke Probleme wenn der Horizont nicht gerade ist oder Objekte wie Häuser in den Verlauf ragen, da dies eine ungleichmäßige Belichtung zur Folge hat. Die Anwendung dieses Filters ist im Bild sehr schnell erkennbar. Bei Fotos am Meer kann der Hard Edge Filter aber auch zum Vorteil werden, da man so ganz genau die Ausrichtung positionieren kann, um beispielsweise vollständig den Himmel abzudunkeln.

Soft Edge:

Die Soft Edge Filter haben einen Verlauf, welcher vom Graufilter fließend zum neutralen Bereich übergeht. Diese Filter können am Häufigsten verwendet werden. Durch den weichen Übergang machen sich die Auswirkungen des Filters nicht so stark am Horizont bemerkbar. So kann dieser Filter auch bei Häusern, Bergen etc. verwendet werden (natürlich abhängig von der vertikalen Positionierung) und die Abdunklungen sind durch den fließenden Übergang deutlich angenehmer.

Reverse Grad:

Ein sehr spezieller Grad ist der Reverse Grad Filter. Dieser hat die Besonderheit, dass die stärkste Abdunklung in der Mitte ist und nach oben hin weicher wird. Der Übergang von der Mitte zum unteren neutralen Teil ist allerdings hart. Dadurch ist der Filter nur begrenzt einsetzbar. Optimal kann dieser Filter bei Sonnenuntergängen und vor allem noch zusätzlich am Meer eingesetzt werden.

Ich besitze derzeit nur Verlaufsfilter mit einem weichen Übergang, da diese einen sehr weiten Einsatzbereich haben. Die anderen 2 Typen sind dafür nur zu selten verwendbar und können später nachgekauft werden.

Mein Tip daher: Kauft euch zuerst verschiedene Stärken (0.3 – 1.2) der Soft Edge Filter.

Zum Abschluss möchte ich einen ersten Vergleich zu den Auswirkungen der Filter zeigen. Die Fotos sind komplett Out of Camera (ooc) und nicht bearbeitet!

Das erste Bild wurde komplett ohne Filter aufgenommen und optimal auf den Himmel belichtet, um keine Überlichtung zu erhalten, da sich diese bei der Bearbeitung schwer korrigieren lassen. Es kann aber erkannt werden, dass dadurch der Vordergrund sehr dunkel ist.

EXIF

Objektiv:   10.0-20.0 mm f/4.0-5.6     Brennweite:   10 mm
Blende:   f/11.0     Belichtungszeit:   1 s
ISO:   100     Belichtungsmodus:   Manual exposure

Im zweiten Bild wurde ein Polfilter verwendet. Dieser hebt etwas die Sättigung  an und bringt die Wolken deutlich besser zur Geltung.


EXIF

Objektiv:   10.0-20.0 mm f/4.0-5.6     Brennweite:   10 mm
Blende:   f/11.0     Belichtungszeit:   1 s
ISO:   100     Belichtungsmodus:   Manual exposure

Im 3. Bild wurde mit einem Polfilter und einem 0,6 ND Grad gearbeitet. Wie man sieht, kann somit das komplette Bild optimal belichtet werden. Durch die Abdunklung des Himmels kann der Vordergrund länger belichtet werden und ist dadurch nicht mehr zu dunkel. Der Himmel bleibt dabei gut belichtet. Somit erhält man gutes Ausgangsmaterial, an welchem nur noch kleine Änderungen vorgenommen werden müssen (z.B. Kontrastanpassungen).

EXIF

Objektiv:   10.0-20.0 mm f/4.0-5.6     Brennweite:   10 mm
Blende:   f/11.0     Belichtungszeit:   10 s
ISO:   100     Belichtungsmodus:   Manual exposure

Ich hoffe ihr habt hiermit schon mal einen kleinen Einblick in die Anwendung von Filtern bekommen. Die Bilder sind nach Sonnenuntergang entstanden, weshalb es im Vordergrund an Licht fehlt. In weiteren Artikeln möchte ich auch andere Vergleiche aufzeigen, da ich mit dem ersten Teil erstmal die Grundlagen vorstellen wollte. Für Feedback bin ich natürlich jederzeit offen, auch könnt ihr gern Wünsche angeben, was euch noch interessiert und was ihr gern sehen wollt (Vergleiche).

Im nächsten Artikel werde ich die finalen Bilder dieser Tour veröffentlichen und ihr könnt sehen was aus dem Ganzen heraus gekommen ist.

2 Gedanken zu „Filtertutorial I“

  1. Gute Übersicht, nur die Erklärung der Funktionsweise von Polfilter „knirscht“ ein wenig. Mit einem Polfilter kann man nicht bestimmen, „welches Licht (welche Wellenlängen) ihr in die Kamera lassen wollt“. Der Polfilter absorbiert Licht bestimmter Polarisation (entgegengesetzt zur Polarisationsrichtung des Filters). Die Polarisation ist dabei unabhängig von der Wellenlänge.

    1. Danke FloMa, ich wollte es einfach Ausdrücken, durch die einfache Formulierung ist dann auch die Korrektheit verloren gegangen. Ich werd es anpassen. Vielen Dank für die Anmerkung!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.